DER FALL - Amanda Knox


PROZESS  2011




Amanda Knox nach ihrer Heimkehr in die USA                      AFP


In US-Medien werden neue Details zum Freispruch, zum Leben im Gefängnis und zum Leben danach bekannt. Doch die Frage bleibt: Wer hat Meredith Kercher ermordet? Ein Richter vermutet: Die Antwort kennt der „Engel mit den Eisaugen“.
Die 24 Jahre alte Amanda Knox kenne möglicherweise die Wahrheit und wisse, wer die Britin Meredith Kercher getötet habe, sagte der italienische Richter Claudio Pratillo Hellmann in einem Fernsehinterview. Er war am Freispruch der US-Amerikanerin beteiligt.
Sicherlich wisse der verurteilte Rudy Guede, der wegen einer Beteiligung an dem Mord 16 Jahre Haft erhielt, was in der fraglichen Nacht passiert sei, sagte der Richter weiter. Er wies Spekulationen zurück, die Berichterstattung über den Fall habe das Gericht beeinflusst. Knox war im Berufungsverfahren freigesprochen worden und kehrte umjubelt in die USA zurück. Kerchers Familie fordert aber nach wie vor Gerechtigkeit.

Reist Ex-Freund Sollecito in die USA?
Kaum von der weltweiten Öffentlichkeit beachtet wurde ihr ebenfalls freigesprochener Ex-Freund Raffaele Sollecito. Das Paar könnte in den USA bald wieder vereint werden, schreibt der „Telegraph“. „Wir sind alle unsere eigenen Wege gegangen nach dem Urteil“, wird Raffaeles Vater Francesco zitiert. „Aber über meine Tochter habe ich gehört, dass Amandas Stiefvater uns eingeladen hat.“ Es sei aber noch zu früh, um eine Entscheidung für oder gegen die Reise zu treffen.
In Italien klagt Raffaele Sollecito die Polizei an. Sie habe ihn nach der Festnahme im Jahr 2007 misshandelt. Die Zeitung zitiert ihn mit den Worten: „Ich dachte, ich habe nichts zu befürchten und sie würden nach mir schauen, wie es mein Vater mir immer gesagt hatte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass sie – statt mich zu beschützen – gewalttätig handeln würden.“ Knox hatte nach ihrem Freispruch ähnliche Aussagen gemacht. Nach ihren Angaben beschuldigte sie deswegen auch den Barbesitzer Patrick Lumumba als Mörder.

Im Gefängnis lernte, sang und spielte Knox.
Die „Daily Mail“ glaubt zu wissen, womit Amanda Knox ihre 1427 Tage im Gefängnis zubrachte: Demnach hat der „Engel mit den Eisaugen“, wie sie von den Medien getauft wurde, anderen Gefangenen Englisch beigebracht und selber ihr Italienisch verbessert (dadurch machte sie in ihrem 700-Wörter-Appell vor Gericht nur einen kleinen grammatikalischen Fehler, schreibt die „Mail“).
Außerdem habe sie Fern-Schach gespielt – ein Zug pro Brief – und im Gefängnischor gesungen. Die Informationen bezog das Blatt nach eigenen Angaben von den wenigen Familienmitgliedern und Freunden, die Knox im Gefängnis besuchen durften. Sechs jeweils einstündige Besuche seien ihr pro Monat gestattet gewesen.

Italienische Medien beklagen Medienrummel.
Derweil beklagt die italienische Zeitung „La Stampa“ in ihrer Ausgabe vom Donnerstag den Medienrummel rund um das Urteil. „Die Schwierigkeiten für die Richter sowie die Unschuldsvermutung der Angeklagten hätten, sollte man annehmen, ein bisschen Ruhe rund um den Prozess gebraucht. Schweigen vonseiten der Richter, aber auch und vor allem Schweigen und Vorsicht vonseiten der Anwälte und Medien“, heißt es.

„Nicht umsonst hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mehrfach unterstrichen, dass lärmende Aufmerksamkeit von außen und die `Urteile via Presse` die Ausgewogenheit und Gerechtigkeit eines Verfahrens beeinflussen können. Das, was sich in Perugia rund um den Mordprozess gegen Amanda Knox abgespielt hat, ist Lichtjahre entfernt von dem für ein gerechtes Verfahren erforderlichen Klima.“















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